Als Jimi Hendrix in Monterey 1967 seine
Stratocaster in die Boxen seines Verstärkers drosch, war ich
gerade 4 Jahre alt. Nichts lag mir näher, als eine Zukunft
als Gitarrenbauer ins Auge zu fassen.
14 Jahre später, mit den üblichen Verzögerungen von Schule und
einer Lehre als Zahntechniker, stellte ich mir beim Bau meiner ersten E-Gitarre
für einen Berufsschulkollegen die Frage : Ist die Gitarre nur ein Brett
mit Saiten oder steckt mehr dahinter ? Ist die Gitarre das Objekt eines Künstlers
oder das eines Handwerkers ? |
 |
 |
Eine widersprüchliche Betrachtung,
denn in einer Fabrik, wo täglich
Gitarren vom Band laufen, an denen viele Hände oder Roboter gearbeitet haben,
ist für mich persönlich eine „seelische Leere“ in den Instrumenten
bemerkbar.
Einerseits haben genau diese Instrumente, wie zum Beispiel Fender oder Gibson,
den Mythos der E- Gitarre möglich gemacht. Pop und Rockmusik in unserer
Alltagskultur wäre ohne sie undenkbar.
Andererseits nimmt der Kreis derer, die eine Gitarre nach ihren Bedürfnissen
gebaut haben wollen, ständig zu. |
| Die Kunst für mich ist, dem Musiker ein seelenvolles, persönliches
Instrument zu bauen, das in allen Aspekten der Optik, des Klanges und der Bespielbarkeit
den Vorstellungen und Bedürfnissen des Kunden entspricht. Mein persönliche
Ziel ist es, den Mythos, wo er ungerechtfertigt manifestiert ist, zu entzaubern,
um den Instrumenten ihre wahre Seele zu belassen. |
|
Für mich ist der tägliche Umgang mit meinen
Hölzern und Werkzeugen fernab jeder "Werkstattromantik" ein
sinnliches Erlebnis. Holz ist ein natürlich
gewachsener Werkstoff, der trotzdem auch innerhalb derselben Holzsorte
unterschiedliche
akustische Eigenschaften aufweisen kann.
Nicht jeder Baum, nicht jedes Stück Holz ist
zum Bau einer Gitarre geeignet. Durch meinen langjährigen Umgang mit verschiedenen Holzsorten, die ich
nur persönlich auswähle, ist es mir möglich, mit meiner bautechnischen
Erfahrung ( über 300 handgefertigte Einzelstücke, Elektro- und Akustikgitarren
) ein Stück Holz in seinen akustischen Qualitäten zu beurteilen.
|

|
Ähnlich wie beim Schach verzweigen sich Wege
in verschiedene Richtungen mit unterschiedlichen klanglichen Ergebnissen.
Je nach Holzsorte ergeben sich mit ihren technischen und akustischen
Eigenschaften, gepaart mit Konstruktionsformen, Tonabnehmern und
Lacke unterschiedliche Klänge.
|

|
Was aber würde mir meine Berufserfahrung nutzen,
wenn ich nicht in der Lage wäre mit dem Kunden kommunikationsbereit
und einfühlsam über das geplante Instrument zu sprechen?
Für mich ist es ein großer Vertrauensvorschuss, wenn mir Kunden
ihre geliebten Instrumente zur Reparatur anvertrauen.
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass meine Obsession, die ultimative
Gitarre zu erschaffen, niemals eintreffen möge. Sie würde meine Entwicklung
als Gitarrenbauer abrupt unterbrechen.
|
| |
Andreas Neubauer, Gitarrenbaumeister |
|